URI IVGI UND JOHAN GREBEN: BACKYARD (Marquet K. Lee, Ann-Kathrin Adam, Sonny Locsin, Nicole Morel, Alexandre Simões, Marcos Menha, Camille Andriot) | (c) Gert Weigelt
b.11
Backyard (Uraufführung) / Uri Ivgi und Johan Greben
Violakonzert / Martin Schläpfer
Fearful Symmetries / Nils Christe
Opernhaus Düsseldorf
Montag, 28. Mai 2012
18:30 - 21:00 Uhr
Dauer b.11: ca. 2 ½ Stunden, zwei Pausen
14,50 - 67,50 € Abo.+4
Dauer b.11: ca. 2 ½ Stunden, zwei Pausen
Backyard (Uraufführung)
Uri Ivgi und Johan Greben
Hinterhöfe sind Schauplätze, an denen sich offenbart, was sich sonst unseren Blicken entzieht. Mit derartigen Aspekten des Lebens, die gewöhnlich hinter den Fassaden bleiben, setzen sich Uri Ivgi und Johan Greben in ihrem neuen Stück „Backyard“ für das Ballett am Rhein auseinander. Stets auf der Suche nach einem Ausweg erkunden die Tänzerinnen und Tänzer den Raum und werden konfrontiert mit dem Verborgenen. Drei Kompositionen von äußerst unterschiedlichem Charakter sind dem israelisch-niederländischen Choreographenduo dabei musikalische Basis und stehen für drei Phasen der Entwicklung: Die Orchesterskizzen „Stille und Umkehr“ von Bernd Alois Zimmermann, „Anger“ von Ryuichi Sakamoto und „Fratres“ von Arvo Pärt.

Uri Ivgi begann seine Karriere 1990 in der Kibbutz Contemporary Dance Company und gewann 1998 den 1. Preis des Internationalen Wettbewerbs für Choreographen des israelischen Kulturministeriums in der Kategorie „Bester Tänzer“. Johan Greben tanzte seit 1985 zunächst im Het Nationale Ballet Amsterdam, für welches er mit „Later“ auch seine erste Choreographie schuf. Seit 1995 ist er als freier Choreograph tätig. Als sich die beiden Künstler 2002 zum ersten Mal begegneten, waren sie von der Arbeit des jeweils anderen so fasziniert, dass sie entschieden, sich als Duo zusammenzuschließen. Seither feiert das Tanztheater von Uri Ivgi und Johan Greben internationale Erfolge mit Uraufführungen für IT dansa Barcelona, das Ballett des Nationaltheaters Prag, Scapino Ballet, Scottish Dance Theatre, Skanes Dansteater, NorrDans sowie die Szeged Contemporary Dance Company. Ihre energiegeladenen Arbeiten sind eine Mischung furioser Ensemble-Choreographien und poetischer Bilder, die in ihrer Symbolhaftigkeit an Traumwelten oder Fabeln erinnern – Momentaufnahmen, die auf teils humorvolle, immer aber sehr intensive Weise berühren und sich einprägen. Für ihre Choreographie „This is not a love song“ wurden Uri Ivgi und Johan Greben mit dem bedeutendsten Theaterpreis Russlands „Goldene Maske“ als „Beste zeitgenössische Choreographie des Jahres 2011“ ausgezeichnet. Mit „Backyard“ gibt das Duo sein Debüt an der Deutschen Oper am Rhein.

 
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BACKYARD
Uraufführung
Uri Ivgi und Johan Greben

Musik
„Stille und Umkehr“. Orchesterskizzen von Bernd Alois Zimmermann, „Anger“ aus „Discord“ von Ryuichi Sakamoto sowie „Fratres“ von Arvo Pärt

 

Choreographie und Bühne Uri Ivgi, Johan Greben
Musikalische Leitung Christoph Altstaedt
Kostüme Natasja Lansen
Licht Yaron Abulafia
 
Tänzerinnen Ann-Kathrin Adam, Camille Andriot, Yuko Kato, Nicole Morel, Louisa Rachedi
Tänzer Martin Chaix, Marquet K. Lee, Marcos Menha, Sonny Locsin, Alexandre Simões
Orchester Düsseldorfer Symphoniker
 
Violakonzert
Martin Schläpfer
Einer Wanderung gleicht das Leben, hin- und hergeworfen zwischen Licht und Schatten, Wachen und Träumen, Freude und Schmerz. Und meist sind es die Wege im Dunkeln, an denen der Mensch wächst.

Im Andenken an seine verstorbene Mutter kreierte Martin Schläpfer sein Ballett „Violakonzert“ 2002 und 2004 in zwei Etappen. Die Energien für seine hochmusikalische Tanzkunst zog er aus einer Komposition Alfred Schnittkes: Das 1986 entstandene Konzert für Viola und Orchester – eine Musik, die wie durch ein Kaleidoskop auf die Musikgeschichte blickt. Klassische Kadenzformeln kleben an kriegerischen Märschen oder Reminiszenzen an die brutale Rhythmik des „Sacre du Printemps“, stilistische Anklänge an eine Bachsche Partita münden in die Archaik mittelalterlicher Quintparallelen oder geisterhafter Schlagzeug-Effekte, ein Leierkasten begleitet eine russische Volksweise, romantische Idyllen und Erinnerungen an einen Wiener Walzer werden beschworen, um von grimassenhaften Quertreibereien gleich wieder hinweg katapultiert zu werden. Es ist die ebenso eindringliche wie vergebliche Suche nach der verlorenen Schönheit einer ehedem wohlklingenden Welt – eine berückend melancholische Klangmetapher für Verlorenheit und Verwirrung, die Schnittke mit dieser Komposition erschuf.

Aus einem streng-formalen, dem puren Tanz verpflichteten Beginn schälen sich immer intensivere emotionale Situationen der feinen Zwischentöne heraus. Von der Entwicklung kindhafter Beziehungen eines Paares spannt sich ein Bogen bis hin zur partnerschaftlichen Reife. Schlichte Bewegungsmuster steigern sich zu hochkomplexen, expressiven Ausdrucksformen mit extremen Positionen und Hebungen. Mal weich, mal aggressiv, mal leidenschaftlich, mal romantisch, mal voller spielerischem Witz, dann wieder von kindlicher Naivität und Selbstvergessenheit – stets jedoch mit dem Bewusstsein einer latenten Bedrohung, und mit der Intensität des Wissens, dass Nähe, Zärtlichkeit, Zuneigung, Leidenschaft und Liebe oft nur ein vorübergehendes Glück bedeuten. – Ein rätselhaftes Ballett, voll dunkel glühender Magie.

 
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VIOLAKONZERT
Martin Schläpfer

Musik
Konzert für Viola und Orchester von Alfred Schnittke
 

Choreographie Martin Schläpfer
Musikalische Leitung Christoph Altstaedt
Bühne und Kostüme Thomas Ziegler
Licht Volker Weinhart
 
Tänzerinnen Ann-Kathrin Adam, Marlúcia do Amaral, Camille Andriot, Feline van Dijken, Cristina Garcia Fonseca, Christine Jaroszewski, Yuko Kato, Anne Marchand, Julie Thirault
Tänzer Paul Calderone, Martin Chaix, Bogdan Nicula, Chidozie Nzerem, Remus Sucheana, Pontus Sundset
Viola Gabriel Bala
Orchester Düsseldorfer Symphoniker
 
Fearful Symmetries
Nils Christe
„Fearful Symmetries“ ist der Titel einer Komposition von John Adams, die genau mit jenen für den amerikanischen Minimalisten so typischen Effekten spielt: Aus einem nervösen, stets vorantreibenden Puls und aufwallenden Streicherklängen in Endlosschleifen brechen immer wieder Jazz-artige Bläserensembles hervor. Komplex ist die Rhythmik, das Tempo extrem hoch.

„Fearful Symmetries“ ist auch der Titel von Nils Christes Ballett auf diese Musik – eine Choreographie, bei der einem durchaus bange werden kann, angesichts der atemberaubenden Bewegungsabläufe in einem ebenso frischen wie unverkrampften Mix von klassischem Ballett, Modern und Jazz Dance bis hin zu einem sportiven Discostil. Wie unter Starkstrom gesetzt wirken die mit bunten Hockern ausgestatteten Tänzerinnen und Tänzer, die in immer neuen Formationen symmetrische Tanzräume erschaffen: Quadrate, Diagonalen, Blöcke, Längs- und Querfronten.

Nils Christe war viele Jahre beim Nederlands Dans Theater als Tänzer engagiert und zählt heute zu den wichtigsten Choreographen. Seine Ballette gehören zum Repertoire vieler großer Compagnien. Uraufführungen kreierte er u. a. für das NDT, Het Nationale Ballet Amsterdam, Introdans, Königlich Schwedische Ballett, Königlich Dänische Ballett, Nationalballett von Flandern, Bayerische Staatsballett, English National Ballet, Washington Ballet, die Ballette der Pariser Oper und der Oper Lyon, das Basler Ballett sowie für das Scapino Ballet, dessen Direktion er von 1986 bis 1993 innehatte.
Mit „Fearful Symmetries“ schuf Nils Christe 2004 für Martin Schläpfers ballettmainz eine von Publikum wie Presse gleichermaßen gefeierte Uraufführung, über die Gerald Siegmund in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb: „Ein packendes Stück Tanz, hellwach und luzide, in dem das Ensemble ein Feuerwerk an schwierigen Bewegungen abfeuern kann.“

 
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FEARFUL SYMMETRIES
Nils Christe

Musik
„Fearful Symmetries“ von John Adams

 

Choreographie Nils Christe
Musikalische Leitung Christoph Altstaedt
Bühne Thomas Rupert
Kostüme und Einstudierung Annegien Sneep
Licht Volker Weinhart
 
Tänzerinnen Sachika Abe, Marlúcia do Amaral, Wun Sze Chan, Mariana Dias, Nicole Morel, Claudine Schoch, Julie Thirault
Tänzer Paul Calderone, Jackson Carroll, Florent Cheymol, Helge Freiberg, Marcos Menha, Bogdan Nicula, Alexandre Simões, Remus Sucheana
Orchester Düsseldorfer Symphoniker
 

 

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