b.07
Compositie / Hans van Manen
Frozen Echo / Regina van Berkel
Robert Schumann Tänze / Martin Schläpfer
Theater Duisburg
Samstag, 14. April 2012
19:30 - 22:00 Uhr
Dauer b.07: ca. 2 1/2 Stunden, zwei Pausen
16,10 - 56,00 € Abo.+T
Dauer b.07: ca. 2 1/2 Stunden, zwei Pausen
Compositie
Hans van Manen
Wenn sich der Vorhang hebt, fällt unser Blick auf zwei symmetrisch angeordnete quadratische Tische mit jeweils vier schlichten Hockern. Zwei Tänzer treten auf, zwei weitere Tänzer und vier Tänzerinnen kommen hinzu – und spätestens jetzt ist offensichtlich: In diesem Ballett geht es um die ganz klaren Symmetrien, um Spiegelungen, die in absoluter Perfektion soweit auf die Spitze getrieben werden, dass wir zwischendurch nicht mehr wissen, ob das, was wir auf der Bühne erleben, eine verblüffend-faszinierende Realität ist – oder ob wir selbst es sind, die alles doppelt sehen.

Doch damit nicht genug. Das 1994 beim Holland Festival uraufgeführte Ballett „Compositie“ wäre kein Meisterwerk Hans van Manens, wenn es sich in derartigen formalen Experimenten erschöpfen würde, hinter der abstrakten Kunst nicht auch die Suche nach einem tieferen Sinn, nach einer inneren Realität der Dinge liegen würde. Wie in einer Arena der Beziehungen und Gefühle entfaltet sich zwischen den Paaren ein Spiel, hinter dessen lasziv-unterkühlter Fassade eines streng festgelegten Rituals immer wieder eine harte, gefährlich lauernde Erotik hervorbricht. „Der Wunsch nach Abstraktion ist der bestimmende Faktor in meinen Balletten, aber er darf nicht die zwischenmenschlichen Themen zudecken“, erläuterte Hans van Manen in einem Interview. „Ich möchte, dass man nicht für eine Sekunde vergisst, dass meine Ballette von wirklichen Menschen handeln.“

Hans van Manens zeitlose Ästhetik zählt nicht nur zu den wesentlichen Farben im Spielplan des Balletts am Rhein, vielmehr urteilte die Tanzkritikerin Wiebke Hüster im Februar 2011 nach der Premiere von „Compositie“ im Opernhaus Düsseldorf: Das Ballett am Rhein „ist die beste Adresse in Deutschland, um Hans van Manens wundervolle Stücke zu sehen“ (Deutschlandfunk).

 
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COMPOSITIE
Hans van Manen

MUSIK
„Eros Piano“ für Kammerorchester und Klavier von John Adams sowie „Madame Press died last week at ninety“ von Morton Feldman
 

Choreographie Hans van Manen
Musikalische Leitung Catherine Rückwardt
Bühne und Kostüme Keso Dekker
Licht Joop Caboort
Einstudierung Arlette van Boven
 
Klavier Dirk Wedmann
Paar 1 Feline van Dijken, Pontus Sundset
Paar 2 So-Yeon Kim, Antoine Jully
Paar 3 Claudine Schoch, Christian Bloßfeld
Paar 4 Aisha L. Arechaga, Bruno Narnhammer
Orchester Duisburger Philharmoniker
 
Frozen Echo
Regina van Berkel
Eine Helix aus alten Computerbildschirmen schwingt sich wie die Wirbelsäule eines Dinosauriers in einem weiten Bogen imposant durch den Raum. Futuristisch und archaisch zugleich ist die Stimmung, in der sich Regina van Berkels Tanzstück „Frozen Echo“ entfaltet. Mal wirken ihre Tänzerinnen und Tänzer wie eine organische Masse, durch die Impulse wie Schallwellen zu zucken scheinen, mal türmen sich die Körper zu faszinierenden lebenden Skulpturen, die für kurze Momente als Bilder still stehen, und immer wieder scheinen einzelne Gestalten wie aus uralten Märchen auf. „Ihr Geheimnis geben diese Figuren nicht letztgültig preis“, schrieb Dorothee Krings in der Rheinischen Post, „aber sie alle weben mit an der dichten, sphärischen Atmosphäre dieser starken Arbeit ‚Frozen Echo‘“.

Regina van Berkel begann bereits während ihres Engagements als Tänzerin in William Forsythes Frankfurter Ballett auch selber zu choreographieren. Heute zählt sie zu den internationalen Größen des niederländischen Tanzes. Zusammen mit dem Komponisten Theo Verbey und dem Installationskünstler Dietmar Janeck ist sie in ihrer ersten Choreographie für das Ballett am Rhein in einen intensiven Prozess gegenseitiger Wechselwirkungen zwischen Tanz, Musik, Bühne und Licht eingetaucht: Wie „Echos“ hallen die einzelnen Parameter im jeweils anderen wider und reagieren aufeinander.

Der niederländische Komponist Theo Verbey überschrieb für dieses neue Ballett ein älteres Werk: die 2004 entstandene Partitur „Schaduw“ arbeitete er weiter aus und „schattierte“ sie durch die Hinzunahme zusätzlicher Instrumente anders, so dass in Auseinandersetzung mit Regina van Berkels Choreographie auch auf musikalischer Ebene etwas Neues entstand.


 
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FROZEN ECHO
Regina van Berkel

MUSIK
„Frozen Echo“ von Theo Verbey

 

Choreographie Regina van Berkel
Musikalische Leitung Catherine Rückwardt
Bühne, Video und Licht Dietmar Janeck
Kostüme Regina van Berkel
 
Tänzerinnen Sachika Abe, Ann-Kathrin Adam, Marlúcia do Amaral, Doris Becker, Wun Sze Chan, Mariana Dias, Feline van Dijken, Cristina Garcia Fonseca, Yuko Kato, So-Yeon Kim, Anne Marchand, Nicole Morel, Louisa Rachedi, Virginia Segarra Vidal, Julie Thirault, Anna Tsybina
Tänzer Christian Bloßfeld, Paul Calderone, Jackson Carroll, Martin Chaix, Florent Cheymol, Helge Freiberg, Philip Handschin, Antoine Jully, Sonny Locsin, Bruno Narnhammer, Bogdan Nicula, Sascha Pieper, Boris Randzio, Ordep Rodriguez Chacon, Alexandre Simões, Remus Sucheana, Pontus Sundset, Maksat Sydykov
Orchester Duisburger Philharmoniker
 
Robert Schumann Tänze
Martin Schläpfer
Zwei Männer im Duell, dazwischen eine Frau. Eine archetypische Situation – und zugleich eine berühmte historische Ménage à trois, die das Leben des Ehepaars Robert und Clara Schumann in ihren Düsseldorfer Jahren nachhaltig beeinflussen sollte: Zwischen 1854 und 1856 verbrachte Johannes Brahms einen Großteil seiner Zeit im Haus der Familie und wusste nicht nur Schumann als wichtigen Mentor anzuerkennen, sondern sich auch in dessen Gattin Clara zu verlieben.
Tänze mit und über Robert Schumann: Martin Schläpfers Auseinandersetzung mit der 1850 in Düsseldorf entstandenen sogenannten „Rheinischen“ Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97. Dabei geht es dem Choreographen nicht um das Nacherzählen einer der romantischsten Liebesgeschichten des 19. Jahrhunderts. Vielmehr werden ihm diese Figuren zu einer Art „menschlichem Material“, um in der Auseinandersetzung damit nicht nur über Tanz und Tanztheater zu forschen, sondern in die Geheimnisse des Menschseins einzudringen.

Über die Uraufführung im Februar 2011 im Opernhaus Düsseldorf urteilte Manuel Brug in der Welt: „‚Robert Schumann Tänze‘ sind Annäherungen und Kommentare, Fragmente und Aphorismen, die hinterher im Gedächtnis durchaus einen übergeordneten Sinn ergeben. Martin Schläpfer trumpft – wieder einmal – nicht auf, er lässt an seinen Zweifeln konstruktiv teilhaben.“ Und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb Wiebke Hüster: „Wieder der leichthändige Umgang mit den Vorbildern in aufblitzenden Zitaten, wieder der eben nicht gebrochene, sondern, viel besser, klug gewendete Gebrauch der akademischen Tanzsprache, die Verdichtung, der Kontrast zwischen reiner Bewegung und Innehalten, Erzählen, Malen, Dichten und was große Choreographen mit ein paar Takten und Schritten noch so alles können.“

 
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ROBERT SCHUMANN TÄNZE
Martin Schläpfer

MUSIK
Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 („Rheinische“) von Robert Schumann

 

Choreographie Martin Schläpfer
Musikalische Leitung Catherine Rückwardt
Kostüme Gabriela Oehmchen
Licht Thomas Diek
 
Tänzerinnen und Tänzer Sachika Abe, Ann-Kathrin Adam, Marlúcia do Amaral, Aisha L. Arechaga, Doris Becker, Wun Sze Chan, Mariana Dias, Cristina Garcia Fonseca, Yuko Kato, So-Yeon Kim, Nicole Morel, Louisa Rachedi, Virginia Segarra Vidal, Julie Thirault, Anna Tsybina, Irene Vaqueiro, Christian Bloßfeld, Paul Calderone, Jackson Carroll, Martin Chaix, Florent Cheymol, Helge Freiberg, Philip Handschin, Sonny Locsin, Marcos Menha, Chidozie Nzerem, Boris Randzio, Alexandre Simões, Pontus Sundset
Orchester Duisburger Philharmoniker
 

 

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